|
Sächsische Zeitung April 4, 2010 Spiel mit vielen Trümpfen Viel Beifall für Kurt Masur und Louis Lortie im Kulturpalast Peter Zacher Ein Osterkonzert mit Werken von Brahms, Schumann und Beethoven ist eine fast todsichere Bank. Der Kulturpalast war folglich beim 7. Zykluskonzert der Philharmonie zweimal restlos ausverkauft. Das lag sicher auch daran, dass mit Kurt Masur der Ehrendirigent des Orchesters am Pult stand. Viele Besucher werden sich noch an die Jahre 1955 bis 1958 und 1967 bis 1972 erinnern, in denen Masur als Dirigent und Chef in Dresden tätig war. Der jetzt fast 83-Jährige, der als einer der letzten Grandseigneurs unter den Dirigenten gelten kann, ist inzwischen zu einer extrem verknappten Zeichengebung übergegangen, was vom Orchester höchste Konzentration verlangt und vor allem die Konzertmeister in die Pflicht nimmt. Bei einem Werk wie Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54 wird das besonders deutlich, denn die Musiker können sich bei den vielen kurzen und oft synkopischen Begleitfiguren und Einwürfen kaum einmal Momente der Ruhe gönnen. Erschwert wird die Situation noch mehr, wenn sich der Pianist für ein rhythmisch relativ freies Spiel entscheidet. Louis Lortie. 1959 in Montreal geboren und durch seine Gastspiele in Dresden und beim Moritzburg-Festival hier bestens bekannt, fand nicht nur die richtige Balance zwischen diesen Freiheiten, die nichts von Willkür an sich hatten, und der Bindung an den Notentext, sondern verband auch musikalische Intelligenz mit tiefgründiger Werkdeutung und einem hohen Maß an Virtuosität. Alle drei Elemente sind für das Werk unabdingbar. Solist und Dirigent hatten zudem einen Weg der Zusammenarbeit gefunden, der auch nach den mannigfaltigen Variationen immer wieder schlüssig zum melodischen Material zurückführte. Eindrucksvoll war die Intensität in der Überleitung vom zweiten Satz zum Finale, bei dem Lortie mit dem Marschrhythmus der Davidsbündler und dem Sieg über die Philister ein Stück Schumannscher Bekenntnismusik überzeugend umsetzte. Zwei Orchesterwerke umrahmten das Klavierkonzert, Brahms' Haydn-Variationen op. 56a und Beethovens 4. Sinfonie B-Dur op. 60. In beiden Fällen ließ Masur mit Klarheit und Transparenz musizieren, so dass die oft unterschätzte Beethoven-Sinfonie deutliche Konturen erhielt. Wieder einmal war die Position der Kontrabässe hinter den Bläsern dem Klang förderlich. Das Publikum sah sich in seinen Erwartungen nicht enttäuscht und geizte nicht mit Beifall. |


