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KÖLNISCHE RUNDSCHAU September 7, 2008 Größe in der Trauer Die Massenbewegung hatte ihren Vorlauf in Frankreich, wo Masur schon Beethovens neun Sinfonien in vier Konzerten am Stück gespielt hat. Das Beethovenfest setzt dem noch eins drauf und wiederholt das Spektakel 2009 mit der Kammerphilharmonie Bremen. H.D. Terschüren Mehr Lob geht nicht in Bonn. Fürs erste Konzert mit Kurt Masur und seinem Orchestre National de France mussten die Veranstalter die enge Billigbestuhlung in den Saal stellen, wollten sie nicht halb Bonn vor der Tür lassen. Die Massenbewegung hatte ihren Vorlauf in Frankreich, wo Masur schon Beethovens neun Sinfonien in vier Konzerten am Stück gespielt hat. Das Beethovenfest setzt dem noch eins drauf und wiederholt das Spektakel 2009 mit der Kammerphilharmonie Bremen. Auch das Jahr 2010 ist schon verplant. Aber danach wird man sich überlegen müssen, ob sich das Komplett-Programm fortsetzen lässt. Mit Masur war es kein Wagnis. Der weltberühmte Achtzigjährige ist ja nicht nur der Vorstandsvorsitzende des Vereins Beethoven-Haus, sondern auch eine Symbolfigur der deutschen Einheit. Die 2000 auf den engen Sitzen haben den obligatorischen Jubel schlicht verdoppelt. Die zuvor gastierenden Musiker von London Symphony zeigten sich alle als große Individualisten, die Franzosen verfügen über den eleganteren Orchesterklang. Masur opponiert gegen den, aber geht auch sehr gut damit um. Die vier Konzerte hat er nach der Nummerierung geordnet. Das hat den Vorzug, dass jeder Abend mindestens eine der "großen" Sinfonien als Zugpferd hat. Beim ersten war das nach der ersten und zweiten Sinfonie die "Eroica", die mit rund 50 Minuten den Zeitrahmen weit über das Konzertmaß trieb. Eine Interpretation der dritten Sinfonie wird man am Trauermarsch auf den Tod eines Helden bewerten. Die Architektur liefern die anderen Sätze, auch die Hinweise auf dirigentische Qualität und Technik. Entscheidend für die Wirkung des Ganzen aber sind die emotionalen Verläufe des "Marcia funebre" mit diesem zerreißenden Höhepunkt der Durchführung nach einem trügerischen CDur- Einschub. Diesen Höhepunkt muss man treffen in seiner riesigen Spannung. Masur traf ihn. Er hat die C-Dur-Sinfonie aus dem Form-Arsenal von Haydn entwickelt und das erste Neue bei Beethoven mit dem tonartfremden Akkord zu Beginn der D-Dur-Sinfonie Nr. 2 signalisiert. Er hat einen Instinkt für das Tempo giusto, das angemessene Tempo. Dass es womöglich ein historisch, mit Metronomzahlen übermitteltes richtiges Tempo gibt, das schneller ist als die heutigen - der Stand der Musikwissenschaft interessiert ihn sehr. Verinnerlicht hat das schon die Bremer Kammerphilharmonie, die mit der "Neunten" das Fest eröffnete und 2009 wiederkommt. |


