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Der Westen September 11, 2009 Ovationen für Maestro Kurt Masur Michael-Georg Müller Düsseldorf. Die Tonhallen-Reihen waren fast bis auf den letzten Platz besetzt. Sein Name zieht immer noch. Wenn auch die Handbewegungen von Kurt Masur durch sein Zittern eingeschrankt sind, so ist es immer noch ein herausragendes Ereignis, den 82-jährigen Maestro zu erleben. Wie warmherzig und respektvoll er mit seinen Musikern umgeht, wie er sie am liebsten alle umarmen möchte, wie er bei stehenden Ovationen die Partitur hochhält und demonstrativ hinter dem längst verstorbenen Komponisten zurückstehen möchte. Gesten der Bescheidenheit, die im heutigen Konzertbetrieb Seltenheitswert haben. Höchste Konzentration Schostakowitschs Siebte Symphonie stand auf dem Programm, und Masur kam mit dem London Philharmonic Orchestra. Ein Klangkörper der Spitzenklasse, den der gebürtige Schlesier - Träger zahlreicher Preise und Orden - von 2000 bis 2007 selbst leitete. Ein Monolit moderner Konzertliteratur, der in 80 pausenlosen Minuten höchste Konzentration abverlangt - Musikern, Dirigent und Publikum. Masurs physische Leistung ist um so bewundernswerter, als er das gleiche Pensum tags zuvor in Köln absolviert hatte. Der Klang, den die große Besetzung des Londoner Edel-Orchesters unter Masurs sparsamen Einsätzen entfachte, war gewaltig, aber niemals plakativ grell. "Ich habe dem Orchester gesagt, selbst das dreifache Fortissimo muss immer noch nobel klingen", verriet der Dirigent im Interview. Und tatsächlich: Neben den neun Hörnern, von denen nicht eins wackelte, sieben Posaunen, sechs Trompeten und acht Kontrabässen beeindruckte besonders der Streicher-Appart. Die zahlreichen ersten und zweiten Violinen und Celli fanden zu einer Harmonie, zu der nur 1-A-Orchester fähig sind. Satt, voll, aber niemals breit der Sound, exakt Tempi und Einsätze. All' diese Vorzüge vereinen sich in Schostakowitschs berühmter Leningrader Symphonie mit musikalischer Tiefe zu einem Highlight, mit dem Heinersdorff seine Meisterkonzert-Reihe der neuen Saison eröffnete. Tiefe ohne Pathos Ohne Pathos, aber mit emotionalem Nachdruck führt Masur durch das geschichtsträchtige Opus. Denn als Schostakowitsch 1941 die ersten Sätze (mit Titeln "Krieg", "Erinnerung", "Heimatliche Welten") schrieb, marschierten Nazitruppen Richtung Leningrad. So hört man von Weitem die Trommeln von Hitlers Truppen, die die damalige Sowjetunion bei Nacht und Nebel überfielen. Immer näher kommen sie und entladen sich in einem tösenden Orchester-Tutti. Doch vermeidet Masur die Pose eines vordergründigen, sozialistischen Realismus', mit dem Stalin einst dieses Werk als Programm-Musik vermarktete. Die Siebte sollte zeigen, wie heldenhaft das russische Volk dem Faschismus trotzte. Masur legt Wert auf die feinen, subtilen Mittelsätze, wie in einem Flötensolo und der Trauermusik im Schluss-Satz, die die Londoner wie eine Sarabande intonieren. Bravos und Ovationen für eine Interpretation, die man auch in Russland hören sollte. |


