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Kölner Stadt-Anzeiger September 11, 2009 Starkes Meisterkonzert mit Kurt Masur Das London Philharmonie Orchestra zelebriert Schostakowitsch in der Kölner Philharmonie. Stefan Rütter Fast 900 Tage, von September 1941 bis Januar 1944, dauerte die Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Es war keine strategisch motivierte Kriegshandlung, sondern ein Völkermord — der Versuch, eine Stadt und ihre Bewohner von der Landkarte zu tilgen. Dmitri Schostakowitsch komponierte den größten Teil seiner siebten Sinfonie in der belagerten Stadt. Als die Novität im August 1942 dort erstmals erklang, dauerte die Blockade noch an. Die stalinistische Kulturpolitik hat das Werk sofort propagandistisch vereinnahmt, aber dazu taugt es nicht: Es ist mehr Reflexion darin als Agitation, mehr Trauer als Anklage, mehr Friedensutopie als Schlachtenlärm. So erlebte man die Sinfonie auch beim Meisterkonzert mit dem blendend disponierten London Philharmonie Orchestra — vor ausverkaufte Stehplätzeund einigen leeren Sitzen auf den Rängen, was auf eine verfehlte Preispolitik hindeutet. Der leicht gedeckte Tuttiklang brach die äußersten Schärfen und Härten der Musik, ohne ihr das spezifisch Russische zu nehmen. Das doppelchörig aufgestellte Blech fügte sich geschmeidig in den Streicherklang; die ausgedehnten Holzbläsersoli traten als eindringlich deklamierte Ariosi hervor. Offenbar keimt Kurt Masur sehr genau die Qualitäten des Orchesters, dem er bis 2007 als Chefdirigent vorstand. So konnte er gelassen hinter der Selbstregulierungskraft des Klangkörpers zurücktreten und sich mit reduzierter Gestik der großen Linie widmen. Wie unter seinen Händen die riesenhafte Coda des Finalsatzes im Sarabanden-Rhythmus heranwuchs, das vermittelte eine Größe und Würde, der jeder plakative Siegesjubel fehlte. Masur hütete sich klug davor, die Fallstricke und Doppelbödigkeiten der Musik vorzeitig zu entlarven. Er folgte bereitwillig ihren hintersinnig angelegten Banalitäten—so dass mancher Hörer beim ersten Erscheinen jener berühmten Marschmelodie im Kopfsatz noch animiert mit den Füßen wippen konnte. Wenn sie dann zum zwölften Mal wiederkehrt zu drohender, dröhnender Fratzenhaftigkeit gesteigert, dann hat man es ohnehin begriffen. |


