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Leipziger Volkszeitung December 11, 2008 Der Mensch Kurt Masur Er sitzt zwischen den Stühler, wie so oft. Man sieht ihn auf Kirchenbänken, in Konzertsaalsesseln, auf Muttis Schoß und einem der weißen Sofas im Mendelssohn-Saal. Zur Weltpremiere von "Adventures in Listening" nimmt er Dienstagabend auch auf dem Podium Platz und gemeinsam mit Amit Breuer, der israelisch-kanadischen Regisseurin, den ausdauernden Beifall entgegen: Masur, der Protagonist. Er lächelt, zufrieden, wie es scheint. Und zu recht: Vier Jahre Arbeit stecken in 60 Filmminuten und einem Streifen, der mit ihm über die Genregrenzen hinauswächst, über ihnen zusammen. Das Leipziger DOK-Film-Festival und das Gewandhaus präsentieren in ihrer ersten Kooperation einen Dokumentarfilm über Musik – auch. Aber vor allem: ein Portrait, das seine Arbeit konsequent in den Mittelpunkt rückt. Die Meisterkurse für den Dirigentennachwuchs der Welt, in Manhattan, in Brasilien und seiner schlesischen Geburtsstadt Brieg im heutigen Polen. Eine unermüdliche Investition in Zukunft, davon ist er überzeugt, Masur, der Lehrer. Der hinter seinem Zöglingen steht, die mal verzagt sind, mal verspannt. Der ihnen geduldig zusieht und zuhört, bei ihren Versuchen, aus den Orchestern den Mahler, den Barber und den Strauss zu holen, der da steckt, irgendwo stecken muss. Nicht gekünstelt, nicht gewaltsam, sondern wahrhaftig und pur. Sich an seine eigenen Gehversuche erinnert, am Klavier, Klein-Kurt in Latzhose. Später in Leipzig, am Gewandhaus, Groß-Kurt im Gehrock. Und ihnen davon erzählt, ruhig, eindringlich, mit vielen Pausen. Bevor er korrigiert. Immer wirder, unerbittlich, bis es klingt, wie es klingen soll. Wie es klingen kann, wenn einer wie er am Pult steht: Eher einfach, fast selbstverständlich, aber bewegt, bewegend. |


