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DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN October 26, 2010 Bruckner und der Altmeister M. Hanns Die Dresdner Philharmoniker und ein großes Publikum fanden sich zu einem Sonderkonzert in der Kreuzkirche ein — ein Konzert, das diese Bezeichnung nicht nur im Namen führte, sondern in jeder Hinsicht etwas ganz Besonderes war. Wieder einmal war der Altmeister der Dirigenten, Kurt Masur, zu Gast. Auf dem Programm stand Anton Bruckners "Wagner-Sinfonie" Nr. 3 d-Moll, in der 1888/89 entstandenen 3. Fassung Bruckner hat sie aus tiefer Verehrung für den Bayreuther Meister geschrieben, eine Verehrung, die von Wagner freilich nur sehr bedingt erwidert wurde. Im Gegensatz zur Urfassung von 1877, die bei Publikum und Kritik gleichermaßen durchfiel, ist die hier aufgeführte Version weniger sperrig und sind die vielen Wagner-Zitate ziemlich ausgemerzt. Es wurde eine faszinierende Interpretation, die alle — das gebannt lauschende Publikum wie die Musiker — in Atem hielt. Wie eng die innere Bindung zwischen dem ehemaligen Chef der Dresdner Philharmonie und dem Orchester nach wie vor ist, wie sehr man auch unausgesprochen auf einer musikalischen Wellenlänge liegt, wie total der gestalterische Wille eins ist — das merkte man vom ersten Ton an. Und es hielt aufbeglückende, spannende Weise an bis zuletzt. Die Art der Wiedergabe hatte viel mit Weisheit und Erfahrung zu tun. Masur legte Wert darauf, dass sich alles die Waage hielt und das interpretatorische Pendel nicht plötzlich zu sehr nach einer Seite ausschlug. Und so war sie sowohl mystisch verklärt wie sachlich, liebevoll nachdenklich im Detail versunken wie großflächig, straff in den Tempi (Ecksätze) wie von ruhig fließender Kraft getragen. Natürlich kam Masur auch mit den für dieses Riesen-opus nicht idealen akustischen Verhältnissen der Kreuzkirche zurecht. Er verstand es, Transparenz zu zaubern und ließ nachhallen, wo es angebracht war. Nie, vor allem nicht im Finalsatz, hatte man den Eindruck, von einem monströsen Koloss erschlagen zu werden. Alles wirkte durchhörbar und plausibel in Gestaltung und Aufbau. Tonlich makellos erscholl das Trompetenthema des 1. Satzes, durfte sich ein prachtvoller Streicherteppich entfalten. Emotionale Dichte und ausdrucksmäßige Schlichtheit ließ Masur im 2. Satz Adagio quasi Andante erblühen — irgendwie entrückt, klanglich nicht von dieser Welt und doch unpathetisch, ergreifend schön. Dem schloss sich auftrumpfend und herzhaft das Scherzo an, urwüchsig die "östorreichische Ländler-Landschaft". In lieblicher Klangrede brachten sich die Holzbläser ein, gab es ein zupackendes, von den Bratschen angeführtes Trio. Dann kam das turbulente Finale mit dem prägnant herausgeschälten Kontrast zwischen der Polka der Streicher und dem Ruhepunkt des Chorals, den das Hornquartett vorzüglich intonierte. In der weit schwingenden Coda steigerte sich dann alles himmelwärts, wurde ein strahlend schöner Dur-Schlusspunkt gesetzt. Aufatmen bei allen — eine vor Binnenspannung berstende, überaus lebendige, heutige Wiedergabe der 3. Bruckner-Sinfonie war zu Ende. Standing ovations! |


